Sehr häufig werde ich gefragt, warum ich mir „die Strapazen“ eines gesunden Lebensstils überhaupt auferlege. Am Ende würde ich ja ohnehin sterben.

Und ja, was soll ich sagen, es stimmt, am Ende werden wir alle sterben. Und nein, es gibt keine Garantie, dass ich uralt werde und bis zu meinem Tod ein Leben in voller Gesundheit lebe. Doch eines kann ich mit Sicherheit sagen, ich möchte aus jedem Tag, den mir das Leben schenkt, das Wertvollste machen und mich wohl und fit fühlen.

Im Dezember hatte ich in meinem Studium der Physiotherapie ein sehr hohes Lernpensum zu erfüllen. Und gerade in den letzten Wochen vor Weihnachten passierte es dann doch, dass ich meine Yogaeinheiten einer zusätzlichen Lerneinheit opferte oder dass ich der immer wieder auftauchenden inneren Anspannung mit etwas Süßem Erleichterung verschaffte. Natürlich hatte dieses Einschleichen von alten Mustern – immerhin pflegte ich während meines letzten Studiums noch einen ganz anderen Lebensstil – seine Spuren – eine gute Erinnerung an mich, weshalb ich lebe, wie ich lebe, und weshalb ich manchmal auch scheinbar auf Dinge verzichte.

Ich begann mich wieder träger zu fühlen, meine gesamte Nacken- und Rückenmuskulatur war verspannt, nach Monaten  kehrten das erste Mal meine Kopfschmerzen wieder zurück: Und dieser Moment war ein Schlüsselmoment – ich legte Buch und Stift zur Seite, rollte meine Yogamatte aus und nach einer knackigen, aber intensiven Yogaeinheit begab ich mich in die warme Badewanne. Sanfte Bewegung und Entspannung weckten sofort wieder meine Lebensgeister und plötzlich fiel auch das Lernen wieder leichter.

Was ich damit sagen möchte, ist, dass ich nie mehr in meinem Leben auf dieses wertvolle Lebensgefühl verzichten möchte, das mir ein bewusster Lebensstil ermöglicht. Ich spreche hier nicht von Askese – es reicht, nach und nach wertvolle kleine Lebensgewohnheiten in das Leben zu integrieren, die die Lebensqualität um ein Vielfaches steigern können. Welche dies sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Neujahrsvorsätze – Fluch oder Segen?

Und da nun der Jahreswechsel inklusive der viel geliebten Neujahrsvorsätze näher rückt, möchte ich dich heute dazu einladen, den „Fluch“ der Neujahrsvorsätze zu umgehen. Lass es nicht wieder auf den ersten Jänner ankommen, der von heute auf morgen dein Leben vollkommen verändern soll. Wie oft hast du deine Ernährung schon am ersten Jänner umgestellt, wie oft hast du am ersten Jänner mit einem neuen Sportprogramm gestartet, wie oft das Rauchen reduziert oder damit aufgehört, wie oft mit dem Meditieren begonnen? Und wie oft hast du nach einigen Wochen oder vielleicht sogar schon Tagen festgestellt, dass das Vorhaben sich irgendwie wieder vollkommen in Luft aufgelöst hat, ohne dass es dir sogar wirklich aufgefallen ist?

Und wenn es dir ein bisschen so geht, wie es mir früher ergangen ist, hat die Aussicht auf den nahenden ersten Jänner meine Situation oft noch verschlimmert. Mit dem Blick darauf, dass ich meine so geliebten Gewohnheiten – vor allem meine heißgeliebte Schokolade – bald nicht mehr genießen werde dürfen, musste ich den großen Verlust ja bereits im Vorhinein ausgleichen. Und die Tage vor dem Jahreswechesel waren meist geprägt von Süßigkeiten essen bis es mir wirklich nicht mehr gut ging.

Ein effektiverer Weg

Mein Tipp an dich: Mach es dieses Jahr anders! Warte nicht auf den ersten Jänner. Heute ist ein wundervoller Tag – warum wagst du nicht heute schon den ersten Schritt? Und nein, du musst nicht sofort dein ganzes Leben umkrempeln. Setze einen Schritt nach dem anderen – mach einen Spaziergang an der frischen Luft, geh zum Yogakurs, lass heute Abend beim Fernsehen mal die Knabbereien weg, starte den Tag mit einer heißen Tasse Ingwerwasser, lass den Fernseher ausgeschaltet, setz dich 10 Minuten in Ruhe hin ohne Ablenkung, massiere dich selbst oder probier ein neues Rezept mit viel Gemüse und ayurvedischen Gewürzen aus. Und ganz wichtig: Sieh es nicht als Selbstquälerei, sondern verwöhn dich so richtig mit deinem Vorhaben. Genieße jeden Moment dabei und wiederhole diesen Schritt morgen wieder und übermorgen und am Tag danach, bis du die neue Gewohnheit auf keinen Fall mehr in deinem Leben missen möchtest. Und dann erst wage dich an den zweiten Schritt.

 

Ich kann dir jetzt schon verraten, dass diese kleinen Gewohnheiten sehr bald zu deinen Lieblingsbeschäftigungen zählen werden. Denn was ich in den letzten Jahren erleben durfte, ist, dass vieles, das für meine Freunde wie Verzicht wirkt, für mich die größten Freuden darstellt.

Wie ist es dir bisher mit Neujahrsvorsätzen ergangen? Welche Vorsätze hast du für das Jahr 2017 und wartest du damit bis zum 1. Jänner? Ich freue mich sehr darauf, von deinen Erfahrungen in den Kommentaren zu lesen!

In diesem Sinne wünsche ich dir erholsame und bewusste letzte Tage in 2016!

Namasté,