Wie lange ich gebraucht habe, um diese Gewissheit zumindest an den meisten Tagen zu haben und wie ich in den letzten 2 Jahren genau damit gehadert und gerungen habe.

Als ich vor 2,5 Jahren in meine alte Heimat zurückgekehrt bin, stürzte ich voller Tatendrang und Enthusiasmus in den Aufbau meiner Selbstständigkeit in meiner Heimat Kärnten. Von meinem Tun überzeugt und durch meine Therapie und viele Selbsterfahrungsseminare gestärkt, baute ich selbstbewusst meine neue Webseite auf und stürzte mich ins Netzwerken und in die Vorbereitung von Vorträgen und Workshops. Die ersten Wochen und Monate lief alles wirklich gut, doch nach und nach machten sich alte Wunden bemerkbar und alte Muster brachen auf, die ich in meinem Selbstfindungsüberschwang längst hinter mir gelassen glaubte.

Vielleicht kennst du das Phänomen auch: Du lebst dein Leben frei und glücklich, baust deine Familie auf, hast beruflichen Erfolg, tust, was du liebst und hast das Gefühl, dass du vollkommen offen lebst. Dann kehrst du zu Weihnachten oder einem anderen Familienfest in die Arme deiner Familie zurück – und naja deine Eltern oder andere geliebte Familienmitglieder wissen ganz genau, welche Knöpfe sie drücken müssen und du findest dich selbst getriggert, verletzt und in einem alten Verhaltensmuster wieder. Du kannst dir überhaupt nicht erklären, wie dies geschehen konnte, denn du warst ja schon so viel weiter und gelassener und voller Liebe für die ganze Welt.

Tja und wenn du dann feststellst, dass dies nun dein Leben ist, dass du nicht nach dem Weihnachtsurlaub einfach wieder in dein freies, neues Leben zurückkehren kannst und dich in aller Ruhe damit auseinandersetzen darfst, was im Schoße deiner Familie mit dir passiert ist, dann hast du eine ungefähre Vorstellung davon, wie ich mich fühlte.

Am Beginn war mir das gar nicht so bewusst – welche Überraschung 😉 Langsam und schleichend machten sich alte Gefühle des Nicht-Genügens und des Mehr-Leisten-Müssens in mir breit. Als sich die ersten Erfolge meiner Aufbauarbeit zu zeigen begannen, war ich plötzlich davon überzeugt, dass ich eine weitere Ausbildung bräuchte, um erfolgreich sein zu dürfen. Damit ich der Stellung in meiner Familie auch gerecht werden würde, suchte ich mir eine möglichst intensive Ausbildung, in der ich mein volles Leistungspotential ausschöpfen würde können: Ich bewarb mich für einen Platz im Physiotherapie-Studium, den ich auch prompt erhielt. Ein Semester lang stürzte ich mich in das Studienleben mit ewig langen Unterrichtstagen und einem Lernpensum zum Umfallen. Es ist bestimmt ein sehr interessantes, fundiertes Studium, doch tief in meinem Inneren spürte ich von Beginn an, dass ich hier fehl am Platze war. Alles, was ich mir im Jahr davor durch harte Arbeit aufgebaut hatte, begann wieder zu zerfallen, da ich schlicht und einfach keine Zeit mehr hatte, mich darum zu kümmern. In dieser extremen Schulsituation zeigten sich weitere Muster der Unsicherheit gegenüber Lehrenden und nach und nach gegenüber den meisten fremden Menschen. Ich fühlte mich wieder wie das kleine Mädchen, das schüchtern und erschreckt durch die Welt irrt und keinen Fuß auf die Erde bringt, unfähig für sich selbst einzustehen und sich zu behaupten.

Ich hatte wieder begonnen, Unmengen zu essen und keine Zeit für Sport oder meine geliebte tägliche Yogapraxis, die mir immer so viel Kraft und Lebensfreude schenkt.

Irgendwann war ich an einem Punkt des für mich tiefsten Unglücklichseins angelangt. Ich wusste, dass es nun an der Zeit war, wieder in die Selbstverantwortung zu kommen und mein Leben wieder in meine Hand zu nehmen. Nun möchte ich meiner Familie keine Vorwürfe machen, denn auch sie handeln in ihren alten Mustern, geprägt von tiefsitzenden Ängsten. Doch ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich nochmals an dem Punkt angekommen war, an dem es für mein eigenes Glück wichtig war, eine klare Grenze zu ziehen, um endlich wieder bei mir selbst anzukommen und die Kraft zu haben, nochmals ganz tief einzutauchen und die nächste Schicht meiner dunklen Schatten zu lösen.

Meine Lehrerin, die mir gerade in dieser Zeit mit einem wohlwollenden Tritt in den Allerwertesten zur Seite stand, vertritt die Auffassung, dass wir bei unseren Eltern immer Kinder bleiben werden, während wir bei anderen Leuten auch Menschen sein dürfen. In diesem Sinne erlaubte ich mir, mich auch im Außen von Teilen meiner Familie zu lösen und mir selbst die Zeit zu geben, die ich brauche – und das diesmal in allerhöchster Liebe und ohne schlechtes Gewissen oder Groll. Ich verneige mich vor meiner Vergangenheit und den Menschen, die mich geprägt und geformt haben, in tiefer Dankbarkeit – diese Zeit gehört nun mir und dem Aufbau meiner eigenen Familie, für die ich jetzt Raum schaffen darf.
Und nun ist es an der Zeit, nach einer langen intensiven Pause, auch beruflich und in meiner Berufung wieder nach außen zu treten und mich mit all meinem Sein zu zeigen. Ich spüre ganz tief, dass es viele Menschen gibt, denen ich helfen und die ich begleiten darf – hin zu einem Leben mit tiefer Lebensfreude und befreit von alten Mustern und „Lastern“. Und heute darf ich aus ganzem Herzen und tiefster Seele rufen: Ich bin wundervoll gut genug, um die Aufgabe meines Lebens zu erfüllen und in allen Höhen und Tiefen, die da kommen mögen, zu mir zu stehen und mit beiden Beinen tief verankert zu bleiben, während ich mich nach oben und außen öffne! Danke Leben!

Wie geht es dir mit diesem Thema? Kannst du bereits voll und ganz erkennen, wie wundervoll und wertvoll du für diese Welt bist? In welchen Bereichen deines Lebens möchtest du dich noch mehr zeigen – ganz du selbst sein? Ich freu mich darauf, von deinen Erfahrungen zu lesen!

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