Meine Oma hat mir früher immer gesagt: „Dein Körper ist dein Tempel und du solltest ihn achten.“

Damals hab ich das nicht verstanden und war von ihren Worten genervt bzw. hab ich sie dafür eher belächelt. Doch heute weiß ich, wie wahr diese Worte sind.

 

Unser Körper ist der Tempel hier in unserem Leben. Unser Körper ist unser Zuhause auf der Erde. In unserem Körper finden wir Zuflucht und Schutz. Unser Körper ermöglicht uns erst jede einzelne Erfahrung, die wir in diesem Leben machen dürfen. Hört unser Körper auf zu leben, dann endet auch unser Leben hier auf dieser Erde. Ich bin davon überzeugt, dass wir alle aus einem ganz bestimmten Grund hier auf dieser Erde sind, dass jede von uns hier etwas ganz Bestimmtes lernen bzw. erfahren darf. Und dazu haben wir den Körper geschenkt bekommen. Dein Körper ist einzigartig und ich glaube ganz fest daran, dass du und ich, dass wir alle genau DEN Körper bekommen haben, der unserer Lebensaufgabe am besten dient. Der uns bestmöglich darin unterstützt, unsere Lebensaufgabe zu erfüllen, unserem inneren Ruf zu folgen und zu lernen, was wir hier in diesem Leben zu lernen haben.

Und auch, wenn du nicht an einen höheren Sinn im Leben glaubst, wirst du mir doch zustimmen, dass dein Körper hier auf der Erde eine sehr wichtige Rolle spielt.

Und während viele von uns der Ernährung, Körperhygiene und dem körperlichen Aussehen viel Aufmerksamkeit schenken, vergessen wir häufig darauf, uns mal anzuschauen, wie wir innerlich mit unserem Körper umgehen. Sogar heutzutage boomen Diäten und Ernährungstrends noch, für viele zählt der Besuch bei der/dem KosmetikerIn zur regelmäßigen Kür etc. Darüber möchte ich auch gar nicht urteilen oder es abwerten. Es ist gut und wichtig, wenn du deinen Weg gefunden hast, um deinen Körper zu hegen und zu pflegen. Die Frage, die ich dir heute jedoch mit auf den Weg geben möchte, ist: Fühlst du dich in deinem Körper wohl? Liebst du deinen Körper wirklich von ganzem Herzen?

 

Denn neben all dem äußerlichen Schnickschnack, den wir unserem Körper häufig zukommen lassen, vergessen wir oft darauf zu achten, wie wir mit unserem Körper sprechen und wie wir über unseren Körper denken und sprechen.

 

Auch ich hatte einen langen Weg hinter mir, bevor ich damit begonnen habe, meinen Körper genauso anzunehmen wie er ist, ihn zu lieben und zu ehren für das Wunder, das er ist, und die Wunder die er täglich in meinem Dienst vollbringt.

 

Bis ca. 14 hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinem Körper. Meine Kindheit habe ich zum Großteil in der Wildnis verbracht. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und wir hatten im Freien so ziemlich jede Freiheit, die man sich vorstellen kann. Mit Freundinnen sind wir auf Bäume gekraxelt, durch Wiesen gelaufen, Sandgruben hinuntergesprungen, im Heu herumgetobt… Zusätzlich liebte ich das Tanzen. Ich durfte an Tanzkursen teilnehmen und habe in dieser Zeit meinen Körper sehr gut kennengelernt. Somit hatte ich täglich die Möglichkeit, meinen Körper zu spüren und mit ihm in Einklang zu leben.

 

In meiner Teenagerzeit habe ich mich dann immer weiter von meinem Körper entfernt. In dieser Zeit hatten meine Eltern mit ihren eigenen Herausforderungen im Leben zu tun und somit war ich zum Großteil auf mich alleine gestellt.  So war ich auch für die Zubereitung meines Essens selbst verantwortlich und ich habe mich hauptsächlich von Reis- und Nudelfertiggerichten ernährt. Allmählich habe ich auch meine stärker werdende Traurigkeit immer mehr über das Essen kompensiert.

 

In dieser Zeit hatte ich auch meine ersten Kontakte zu Männern oder eigentlich Burschen, die etwas älter als ich waren und ich sammelte meine ersten, teils schmerzhaften, Erfahrungen damit, wie wichtig es ist für uns Frauen, unsere eigenen Grenzen zu kennen und für sie einzustehen, um sie zu verteidigen. Und damit unseren Körper vor Übergriffen zu schützen.

 

All diese Erfahrungen führten dazu, dass ich mich selbst weniger spürte. Und diese tiefe Traurigkeit, die Stück für Stück Besitz von mir ergriff, wollte ich nicht fühlen. Deshalb wurde all dies in eine dunkle Ecke in mir weggepackt und mit viel Essen überdeckt.

 

Als ich dann mit 15 Jahren auch noch mit der Anti-Baby-Pille begonnen habe, habe ich gefühlt jeglichen Zugang zu meinem Körper verloren. Von diesem Moment an, habe ich extrem schnell zugenommen – ich konnte mein Essverhalten überhaupt nicht mehr kontrollieren bzw. hatte ich einfach kein Gefühl mehr dafür – und mein Körperbau hat sich auch von der Form her stark verändert.

 

Mit Anfang 20, als mein selbstständiger Weg ins Leben so richtig begann, war ich in so einer gewissen Dunkelheit gefangen. Meinen Körper hab ich nicht gespürt, ich hab ihn versteckt und gegen ihn gekämpft, weil er meinen Ansprüchen nicht genügte. In dieser Zeit machte ich im Grunde überhaupt keine Bewegung und hatte von gesundem Essen keine Ahnung. Neben hohem Zuckerkonsum und regelmäßigem Alkoholkonsum zählte auch das Rauchen zu meinen damaligen Gewohnheiten.

Doch das Schlimmste war dieses Gefühl, in diesem Körper gefangen zu sein. Mein Körper war ständig müde, ich hätte wirklich durchgehend schlafen können. Ich hatte sehr häufig starke Kopfschmerzen, die ich mit Schmerztabletten unterdrückte. Nachts konnte ich nicht schlafen und wurde häufig von Panik und Angstzuständen heimgesucht. Meine Verdauung war mehr als nur suboptimal und schwankte zwischen mehrtägiger Verstopfung und Reizdarmsyndrom, das immer stärker wurde. Und egal, wie sehr ich mich anstrengte, ich habe aus diesem Zustand nicht herausgefunden.

 

Ich bin heute so dankbar dafür, dass mein persönliches Leidempfinden schließlich an seine Grenze gestoßen ist und ich die Kraft gefunden habe, mir professionelle Hilfe zu holen. Und ich bin auch so dankbar für die wunderbare Frau, die mir das Leben als Therapeutin zur Seite gestellt hat. Sie hatte einen spirituellen Zugang zur Therapie und hat auch um die Wichtigkeit der Körpertherapie im Heilungsprozess der Psyche gewusst. Von ihr erhielt ich gleich mal den Impuls, meinen Körper regelmäßig zu bewegen und mir eine Bewegungsform zu suchen, die mich mit Freude erfüllt. So fing ich wieder an mit dem Tanzen und so kam ich auch zu meiner ersten Yogaeinheit, die mich in weiterer Folge mit dem heilsamen Weg des Ayurveda in Berührung brachte. Und dies war der Beginn meines inneren Heilungsweges. Endlich entwickelte ich wieder, langsam aber stetig, ein wunderschönes Gefühl für und durch meinen Körper.

 

Ein sehr wichtiger Wendepunkt im Umgang mit meinem Körper waren die Erkenntnisse aus der Doshalehre – also der Basis des Ayurveda. Egal, wie dünn ich als Teenager war, mein Körper war immer schwerer als der Körper meiner Freundinnen. Und mein Körper war immer kompakter gebaut als der Körper meiner Freundinnen. In der Auseinandersetzung mit den Bioqualitäten im Ayurveda durfte ich lernen, dass jede Eigenschaft meines Körpers, die ich als negativ bewertet bzw. empfunden habe, gleichzeitig mit so vielen wunderbaren Eigenschaften einhergeht und verknüpft ist, die ich an mir liebe. Nichts ist zufällig oder umsonst in unserem Körper so angelegt, wie es angelegt ist, sondern alles hat seine Aufgaben und Funktionen. Ich erinnere mich heute noch, wie das Wissen aus dem Ayurveda in so mancher Yogaeinheit tiefer in mein Empfinden eingedrungen ist. In der bewussten Bewegung im Yoga habe ich meinen Körper besser und besser kennengelernt und ich habe die immense Kraft meines Körpers kennenlernen dürfen und gleichzeitig diese unglaublich feine Weichheit, von der mein Körper geprägt ist.

 

Doch egal, wie sehr sich mein Körperbewusstsein in dieser Zeit auch verbesserte, so ein gewisses schlechtes Gefühl blieb einfach zurück, egal wie ich mich auch mit mir selbst und meinen Schattenseiten und Glaubenssätzen auseinandersetzte. Irgendwann erzählte ich meiner Therapeutin mehr nebenbei, dass ich die Hormonspirale verwenden würde. Dies hatte ich bisher noch gar nicht erwähnt, da es für mich völlig normal war, hormonell zu verhüten, so wie auch all meine Freundinnen zu dieser Zeit. Im Rahmen ihrer (rechtlich erlaubten) Möglichkeiten als Psychotherapeutin inspirierte sie mich dazu, doch einmal über die Hormonspirale zu recherchieren. Ja und nach einiger Recherche und einem ziemlichen Ärztemarathon, weil ich keine/n GynäkologIn finden konnte, der/die mir glaubte, konnte ich die Hormonspirale endlich entfernen lassen.

 

In den Wochen danach spürte ich direkt, wie mein Körper endlich aufatmen konnte. Dies war das letzte Stück, das noch gefehlt hatte, dass sich mein Körper endlich wieder erholen durfte. Ich konnte dabei zusehen, wie sich mein Körpergewebe durch die ayurvedische Ernährung, die richtige Bewegung und endlich frei von Hormonen verändert hat, wie mein ganzer Körper wieder gesund wurde. Und wenn ich heute so darüber nachdenke, fühlt sich diese Zeit davor an wie aus einem anderen Leben.

 

Ich liebe meinen Körper und bin ihm so dankbar für all die Erfahrungen, die er mir ermöglicht. Und auch, wenn es natürlich auch heute noch Hoch- und Tiefphasen gibt. Wenn ich zum Beispiel aus lauter Enthusiasmus zu viel arbeite und die Grenzen meines Körpers doch mal übergehe. Oder so wie im letzten Jahr, als mein Körper mich durch 2 Fehlgeburten begleitet hat und durch das Hormonkarussel und den hohen Blutverlust vor allem durch die Komplikationen bei der ersten Fehlgeburt stark gefordert wurde. So habe ich heute doch das Wissen und Gefühl dafür, was meinem Körper guttut, wie ich ihn bestmöglich umsorgen kann, und das tiefe Vertrauen in unsere Verbundenheit.

Und wenn ich mich dann doch mal dabei ertappe, wie ich meine Oberschenkel etwas kritisch im Spiegel begutachte, nachdem ich im letzten Jahr auch leicht zugenommen habe, dann kann ich im nächsten Moment schon wieder aus diesem alten Muster aussteigen und mein Körper und ich lachen gemeinsam aus vollem Herzen. Dann erinnere ich mich daran, wie kraftvoll meine Beine sind, die mich und all mein Gepäck durch das Leben tragen und ich schicke ihnen ein riesengroßes Dankeschön dafür.

 

Ich habe dir die Geschichte von meinem Weg hin zu meiner Körperliebe heute erzählt, weil ich in meinen Beratungen und Begegnungen mit Frauen immer wieder auf dieses Muster stoße, dass sie nicht mit ihrem Wunderkörper zufrieden sind. Wenn du dich auch immer wieder mal dabei ertappst, wie du deinen Körper kritisierst, dann würde ich mir wünschen, dass meine Geschichte eine Inspiration für dich ist, deinen Körper mal mit anderen Augen zu betrachten – mit den Augen der tiefen Liebe, Verbundenheit und Dankbarkeit. Dein Körper ist ein Wunder. Du bist ein Wunder. Und dass DEIN Körper dich durch dieses Leben begleitet ist ein Wunder. Du und dein Körper habt es verdient, dass eure Beziehung zueinander von tiefer Liebe und Wertschätzung geprägt ist. Und auch, wenn du mit deinem Körper gerade nicht ganz so zufrieden bist, erinnere dich daran, das Leben hat dich mit dem Körper beschenkt, der dich am besten in deinen Erfahrungen unterstützen kann. Durch den du wachsen und ganz bei dir selbst ankommen kannst.

 

Ich danke dir fürs Zuhören und freue mich, wenn du mir in den Kommentaren von deinen Erfahrungen mit der Beziehung zu deinem Körper berichtest! Die nächste Folge von Blooming YOU gibt es dann wieder nächsten Sonntag.

 

Bis dahin alles Liebe zu dir!

Tamara