Gestern Abend hatte ich das erste Mal das Bedürfnis, mich zu Hause auf die Couch zurückzuziehen und zu stricken. Das ist meist das erste Anzeichen, dass sich der Sommer leise verabschiedet und dem Herbst Platz macht. Obwohl ich mich seit einigen Jahren zu den absoluten Sommerkindern zähle, die die warme Jahreszeit aus ganzem Herzen genießen, habe ich beschlossen, dem Sommer nicht nachzutrauern. Denn nach der sehr aktiven Jahreszeit schätzen Körper und Geist auch die Zeit des Rückzugs, z.B. mit einer Tasse Tee und einem guten Buch bei Kerzenschein. Allein der Gedanke daran lässt es warm um mein Herz werden.

Damit du den Übergang in die kühlere Jahreszeit auch gut überstehst, erhältst du heute wertvolle Empfehlungen aus dem Ayurveda für den Herbst, die Vata-Zeit unter den Jahreszeiten.

Sommerausklang

Nach dem ayurvedischen Kalender tauchen wir mit Ende August/ Anfang September in den Herbst ein. Durch die aufgestaute Hitze des Sommers erreicht unser Pitta-Dosha sein Jahreshoch. Der Herbstbeginn ist eine Zeit der hohen Energie, Tat- und Umsetzungskraft. Das kann ich sehr gut bei mir selbst wahrnehmen und das sehe ich auch um mich herum. Die Menschen kehren vom Urlaub heim und stürzen sich hochmotiviert in neue Aufgaben und stellen sich neuen Herausforderungen, sowohl beruflich als auch privat.

Körperlich kann diese hohe Hitze im Körper jedoch zu Pitta-Störungen führen. Wir reagieren mit Entzündungen, Brennen und Rötungen. Vor allem unsere Haut und unsere Verdauungsorgane leiden stark unter dem hohen Pitta. Zum Ausgleich empfiehlt Ayurveda eine Ernährungsweise mit süßen, leichten, kalten und bitteren Nahrungsmitteln.

Vata-Zeit

Mit Ende September/ Anfang Oktober hält der Herbst mit nun deutlich kühleren Temperaturen und häufigem Wind Einzug. Das kalte, häufig trockene Wetter hat direkten Einfluss auf unser Vata-Dosha, welches in seinen Eigenschaften kalt, rauh, beweglich, trocken und feinstofflich mit jenen des Herbstwetters übereinstimmt. Je nach Vata-Anteil in unserer Grundkonstitution reagieren wir unterschiedlich stark auf diesen Einfluss mit innerer Unruhe, Nervosität, Schlafstörungen, Verdauungsproblemen, Verstopfung, trockener Haut, Gelenkschmerzen, kalten Händen und Füßen und einem sehr unruhigen Geist. Ein sehr hohes Vata schwächt auch unser Immunsystem, was vor allem im Hinblick auf den bevorstehenden kalt-feuchten Winter nicht gut ist.

Wenn du bereits das ein oder andere Vata-Symptom bei dir beobachtet hast oder du aus vergangenen Herbsttagen weißt, dass dein Vata sehr stark auf diese Jahreszeit reagiert, dann hab ich folgende Tipps für dich, mit denen du dein Vata besänftigen und den Herbst in all seinen Farben so richtig genießen kannst:

1. Gönne dir regelmäßigen Rückzug

Um dein Vata auszugleichen, benötigt dein Organismus Ruhe, Entspannung und Erdung. Während du im Vata-Rausch dazu neigst, 100 Dinge gleichzeitig zu tun und den Überblick zu verlieren, ist es gerade dann wichtig, mal einen Gang runterzuschalten, tief durchzuatmen und ein warmes Ölbad zu nehmen oder dich mit einer Wärmeflasche und einem Kräutertee auf die Couch zu kuscheln. Gönne auch deinem Geist Ruhe und greif nicht gleich wieder zum nächsten Buch oder der Fernbedienung. Genieße die vollkommene Ruhe oder, wenn es nicht anders geht, lausche entspannender Musik, schließe deine Augen und lass einfach ganz bewusst zu und los, was auch immer gerade kommen möchte. Konzentriere dich auf deine Atmung und du wirst sehen, nach 10 Atemzügen, bei denen du vor allem ganz bewusst vollkommen ausatmest, lässt der innere Drang, schnell wieder ins Tun zu kommen, nach. Wiederholst du diese Entspannungsphasen regelmäßig, wird es von Mal zu Mal auch leichter.

2. Nähre deinen Körper mit warmen und saftigen Speisen

Im Herbst dürfen die Mahlzeiten wieder etwas deftiger ausfallen mit süßem, salzigem und saurem Geschmack. Achte darauf, warm und saftig zu essen, um die Trockenheit des Vatas auszugleichen und deine Verdauung bestmöglich zu unterstützen. Starte den Tag am besten bereits mit einem warmen Ingwerwasser und einem warmen Getreidebrei mit Hafer-, Dinkel- oder Weizenflocken, gedünstetem süßen Obst und wärmenden Gewürzen. Besonders gut geeignet sind jetzt Zimt, Kardamom, Nelken, Ingwer und Piment. Auch für das Mittag- und Abendessen eignen sich saftige, warme Eintöpfe uns Suppen mit erdendem Wurzelgemüse und Getreiden wie Dinkel, Hafer und Weizen. Am Nachmittag erreicht dein Vata sein Hoch, was du mit einer gut gesalzten Gemüsebrühe oder einem warmen Gewürztee gut ausgleichen kannst.

3. Bewege deinen Körper sanft

Regelmäßige Bewegung ist auch im Herbst sehr gut für dich. Doch gerade bei hohem Vata ist es wichtig, dich nicht bei schweißtreibendem Sport auszupowern, sondern ganz bewusst sanfte Formen der Bewegung zu wählen, die deinen Körper kräftigen und dehnen, deine Verdauung anregen und Spannungen in deinem Körper lösen. Wie du dir schon denken kannst, lege ich dir eine sanft-anregende und entspannende Yogapraxis ans Herz, die dich erdet und deinem Geist eine Pause gönnt. Doch auch Spaziergänge an nicht zu windigen Tagen, Tai Chi, Stretching und viele andere Arten der Bewegung, bei denen der Entspannungsaspekt nicht zu kurz kommt, sind sehr gut für diese Jahreszeit geeignet.

4. Trinke warmes Wasser und Tee

Trinke über den Tag verteilt regelmäßig warmes Wasser und wärmende Gewürztees mit Fenchel, Kardamom, Anis und Lavendel.

5. Bring Regelmäßigkeit in deinen Tag

Vata neigt dazu, im kreativen Chaos zu versinken. Hast du das Gefühl, dass das Chaos in deinem Geist die Oberhand gewinnt und du mit Nervosität und Schlaflosigkeit darauf reagierst, achte auf Struktur und Regelmäßigkeit im Tagesablauf. Setze auch hier einen Schritt nach dem anderen. Starte zum Beispiel mit einem regelmäßigen Frühstück immer zur gleichen Zeit. Trinke jeden Nachmittag einen wärmenden Vata-ausgleichenden Tee. Setze eine Zeit für den Abend fest, ab der du all die Arbeit Arbeit sein lässt und dich deiner Entpsannung widmest, und halte diese auch ein. Geh ganz bewusst zu einer bestimmten Zeit schlafen, was optimalerweise vor 22 Uhr ist. Starte mit einer Entspannungsübung und Meditation in den Tag. Mit diesen kleinen Gewohnheiten setzt du fixe Punkte in deinem Tagesablauf, die dir zu mehr Struktur verhelfen und dich erden.

6. Gönne dir Öl-(Selbst-)Massagen

Neben der Pflege für die Haut, die in Vata-Zeiten häufig unter starker Trockenheit leidet, führen dich Massagen mit warmen Ölen in tiefe Entspannung und lassen deinen Geist zur Ruhe kommmen. Die Umhüllung des wärmenden Öls auf deiner Haut schenkt dir ein Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit und wirkt den Ängsten des Vatas entgegen. Ayurveda empfiehlt vor allem für Vata-Hochs die Abhyanga, eine ayurvedische Ganzkörper-Ölmassage, die mit sanften Ausstreichungen innere Unruhe beseitigt und wohltuend auf Muskeln und Gelenke wirkt. Diese kannst du auch gut zu Hause selbst durchführen, am besten am Morgen vor dem Duschen. Wärme dazu etwas Öl, sehr gut eignet sich ayurvedisches Sesamöl oder das ayurvedische Kräuteröl Dhanvantaram, im Wasserbad und verteile es dann mit ausstreichenden und kreisenden Bewegungen auf deinem Körper. Lass es dann solange wie möglich einwirken (optimal sind 30-40 Minuten) und dusche es anschließend mit warmem Wasser ab. Das Öl schützt dich und deine Haut den ganzen Tag über und verleiht deiner Haut einen gesunden Glanz.

Wenn du auf einen gesunden Vata-Haushalt achtest, bietet dir der Herbst eine wunderbare kreative Energie, die du nutzen kannst, um neue Ideen für dein Leben zu entwickeln und umzusetzen und mit Leichtigkeit und Lebensfreude die Tage und Farben zu genießen. In diesem Sinne wünsche ich dir eine entspannte, wundervolle, bunte Herbstzeit!

Namasté,

Tamara-1